Donnerstag, 22. August
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 6 € / erm. 4 €
Synagoge Mainz, Synagogenplatz 1
Mainz

Julia Schulze-Wessel, die an der Technischen Universität Leipzig Politische Theorie lehrt, hat ein aufregendes Buch über Hannah Arendt geschrieben. Sie widerspricht dort dem – auch von jüdischer Seite – immer wieder erhobenen Vorwurf, Arendt hätte Eichmann und seine Gesinnung verharmlost, indem sie ihn als bloßen Befehlsempfänger ohne eigene Meinung einschätzte. Schulze-Wessel hält dagegen, dass dieser Vorwurf an Arendt zu kurz greift. Eichmann ist der Repräsentant eines von jedem persönlichen Hass gereinigten Antisemitismus, der nicht auf den einzelnen, individuellen Juden sondern auf das jüdische Volk als »Rasse« zielt. Dieser von Arendt beschriebene Antisemitismus, dessen fanatischer Anhänger Eichmann war, zeichnet die Ideologie des Nationalsozialismus und seine kalte und sachliche Grausamkeit aus.

Das Thema, über das Schulze Wessel in Mainz spricht, gehört auch in den Kontext von Hannah Arendts politischer Theorie – denn spätestens seit Arendt lautet die Frage in der Flüchtlingspolitik: Wie viele Rechte billigen wir Staatenlosen zu? Die Antwort, die das politische Europa auf diese Frage findet, wird das Thema des Vortrags sein.