Mittwoch, 29. Mai
Beginn 20 Uhr
Eintritt 6 € / erm. 4 €
Antiquariat am Ballplatz, Ballplatz 5b
Mainz

Wir atmen nicht. Der Ort ist nahe Jedenew, wir hören die Jedenewer Bauern singen, grölen, Klarinette spielen ...« Kevin Vennemanns Prosa zieht den Leser mitten hinein in einander über- und umstürzende Ereignisse: nahe Jedenew, einem Kindheitsort und gedachten, vielleicht polnischen Dorf, zerbricht mit einem Schlag jene funktionierende Zweckgemeinschaft, die Juden und Katholiken dort über die Jahre verbunden hatte. Der Ort wird zum Kriegsschauplatz, deutsche Soldaten und polnische Bauern plündern die Höfe zweier Familien. Für die Kinder fallen im Moment der Gefahr ihre Erinnerungen an die zurückliegenden Kindersommer, -abenteuer und Familiengeschichten in einer unerhört eindringlichen Bündelung der Wahrnehmungen mit den akuten Bedrohlichkeiten in eins: Versteckt im Baumhaus, beobachten zwei Zwillingsschwestern die Zerstörung ihres Weilers und durchleben gleichzeitig die letzten Augenblicke der Kindheit wie im Zeitraffer. Ihre Flucht gerät zu einer Flucht vor dem Ende der Vergangenheit.

Der 1977 geborene Vennemann lebt derzeit in New York. Neben zwei Romanen, »Nahe Jedenew« (2005) und »Mara Kogoj« (2007), erschien 2012 der Essayband »Sunset Boulevard. Vom Bauen, Filmen und Sterben in Los Angeles« (alle Suhrkamp).